Gesundheitsbewusstseinssteigerungsgerät

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Fitness Tracker erfreuen sich – sofern man die Absatzentwicklung als Kriterium hierfür ansieht – immer größerer Beliebtheit . Allein 2019 wurden weltweit knapp 337 Millionen Wearables verkauft. Auch wenn es derzeit schwierig ist, an aktuelle Zahlen heranzukommen, so dürfte der Absatz im letzten Jahr durchaus noch einmal zugelegt haben. Auch ich habe mir vor ziemlich genau einem Jahr einen solchen Fitness Tracker gekauft. Meine Erfahrungen hiermit möchte ich in diesem Beitrag mit dir teilen.

Statistik zum „Absatz von Wearables weltweit bis 2019“, zitiert nach de.statista.com, URL https://de.statista.com/statistik/daten/studie/515723/umfrage/absatz-von-wearables-weltweit/, Abruf am 23.01.2021, 12.00 Uhr

Um eines gleich vorweg zu nehmen…

Ich habe mir meinen Fitness-Tracker ursprünglich nicht gekauft, um damit mehr Sport zu machen, sondern vielmehr aus leistungsdiagnostischen Gründen. Dadurch, dass ich jedes Jahr zum Fliegerarzt muss, um meine medizinische Flugtauglichkeit unter Beweis zu stellen (und somit meine Pilotenlizenz aufrecht zu erhalten), weiß ich zwar durchaus um meinen Körper Bescheid. Allerdings ist vor allem das Pulsmessen – ich denke, ich spreche hier für viele meiner Kollegen – stets mit hoher Aufregung verbunden. Einen Ruhepuls von unter 80 Schlägen pro Minute habe ich da selten. Umso brennender hat mich daher interessiert, wie sich mein Herz im Alltag “schlägt” – wenn es nicht im Anblick eines möglichen Lizenzverlusts und damit existenzieller Ängste ist. Mir war zwar klar, dass Fitness-Tracker keinen ernsthaften Ersatz für präzise Herzfrequenzsensoren darstellen. Allerdings erschien mir eine schlanke & stylische Armbanduhr auf Dauer als passendere Alternative. Nicht zuletzt haben mich natürlich auch die unzähligen Nebenfunktionen eines solchen Trackers interessiert.

Wieso überhaupt diese Erläuterung?

Zum einen, weil ich persönlich die Beweggründe von Menschen, die sich einen solchen Fitness-Tracker zulegen, höchst spannend finde und daher gerne selbst meine eigene Geschichte liefern wollte. Zum anderen, damit du meine konkrete Produktwahl besser verstehen kannst.

Meine Produktwahl

Nach ausgiebiger Recherche bin ich schnell bei den Geräten der Marktführer Fitbit und Garmin hängengeblieben. Da letzterer Hersteller in der Fliegerszene einen ausgezeichneten Ruf hat, habe ich bevorzugt deren Angebot durchstöbert und mich schließlich für die Garmin vívosmart 4 entschieden. In Testberichten konnte die Uhr vor allem in puncto Tragekomfort & Messgenauigkeit bestechen. Zudem besitzt sie eine Funktion namens “Body Battery”, welche einem Aufschluss darüber gibt, “wann für dich die beste Zeit ist, zu trainieren oder wann du dich erholen solltest.” (1). Das klang doch alles sehr vielversprechend.

Meine ersten Eindrücke

Der Fitnesstracker von Garmin machte auf mich einen sehr wertigen ersten Eindruck. Zu meinem Erleichtern stellte ich fest, dass mir das Armband in der Größe S/M perfekt passte, da es keine Möglichkeit zum Auswechseln gegen ein längeres Band gibt. Bevor es mit der Einrichtung losging, musste das Gerät zunächst an die Steckdose angeschlossen werden. In den darauffolgenden Tagen hat sich gezeigt, dass die Uhr im Schnitt fünf bis sechs Tage durchhält, bevor sie erneut geladen werden muss. Die Einrichtung mithilfe der Garmin Connect App verlief problemlos. Bis heute gefällt mir das schlichte und intuitive Design der App sowie die Tatsache, dass alle Funktionen kostenlos sind und nicht durch etwaige Premium-Mitgliedschaften freigeschaltet werden müssen. Nach meinem ersten Probelauf war ich beeindruckt von den farbenfrohen Diagrammen, welche mir die App präsentierte. In Gedanken ging ich den Lauf nochmal durch und war überrascht, wie präzise der Fitness Tracker meine Aktivität aufgezeichnet hat. GPS, Höhenmeter, Schrittfrequenz – auch die Herzfrequenz stimmte mit meiner subjektiven Einschätzung überein, war ich doch nach dem Lauf ganz schön erschöpft. Besser hätte der erste Eindruck nicht sein können und schnell war ich daher mit dem Self-Tracking-Virus infiziert.

Meine Langzeit-Erfahrungen & Empfehlungen

24/7/365: Dass ich mal etwas besitzen würde, dass sich noch länger an meinem Körper befindet als mein Smartphone, hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Tatsache aber ist: Seit dem 10. Januar 2020 trage ich meine Garmin vívosmart 4 fast rund um die Uhr, auch in der Nacht. Wenn du planst, die Uhr – wie ich – nur zum Aufladen abzunehmen, sollte der Tragekomfort bei der Auswahl des richtigen Geräts nicht unterschätzt werden.

Software > Hardware: Was ich damit meine ist, dass eine gut strukturierte App bzw. Analyseplattform fast genauso wichtig – wenn nicht sogar wichtiger – ist, wie der Fitness Tracker an sich. Daten allein sind nutzlos. Visuell ansprechend aufbereitete Statistiken und Auswertungen helfen dir dabei, deinen Fortschritt im Auge zu behalten und dich darüber hinaus auf verschiedene Arten (Auszeichnungen, Challenges, Vergleiche mit Freunden, etc.) zu motivieren – beides große Stärken von Fitnesstrackern im Vergleich zu handschriftlichen Aufzeichnungen oder eigens angelegten Excel-Tabellen. Grundsätzlich sind heutzutage die Apps aller großen Anbieter von Fitness Trackern mehr oder weniger identisch. Dennoch ist es empfehlenswert, die Eigenheiten der App in die Kaufentscheidung miteinfließen zu lassen. Auf YouTube wirst du diesbezüglich schnell fündig.

Screenshots aus meiner Garmin Connect App. Die Informationsdichte der Garmin App ist überwältigend. Fast jede Anzeige bietet zusätzliche Untermenüs mit detaillierteren Angaben. Statistik-Nerds kommen hier voll auf ihre Kosten.

Das Ding verändert dich: Selbstverständlich verändert ein Fitness Tracker nicht deine Persönlichkeit. Man kann es eher wie einen digitalen Personal Trainer ansehen, der dich hin und wieder darin erinnert, mal wieder aufzustehen und dich zu bewegen, aber sich in erster Linie stets im Hintergrund aufhält und dich stumm beobachtet (Körperfunktionen überwacht). Christoph Koch hat es in seinem Buch “Die Vermessung meiner Welt: Bekenntnisse eines Self-Trackers” sehr treffend beschrieben und spiegelt damit auch meine Erfahrungen:

“Ich habe meine Lebensqualität verbessert – weniger durch radikal neue Erkenntnisse, als vielmehr durch die Motivation, bei kleinen, unscheinbaren Entscheidungen tendenziell ein bisschen häufiger das Richtige zu tun. Weniger essen, weniger Kaffee, mehr Bewegung, mehr lesen, besserer Schlaf. Dazu kommt eine schwer zu beschreibende Begeisterung für die Balkendiagramme und Kurven in den diversen Auswertungen meiner Datensätze, die scheinbar aus dem Nichts entstehen und doch einen realen Ursprung haben: mein Leben.”

Schwarz auf weiß: Fitness Tracker liefern knallharte Fakten und unverhandelbare Tatsachen. Natürlich liegen die Geräte nicht immer hundertprozentig richtig und kleine Messungenauigkeiten sind eher die Regel als die Ausnahme. Dennoch kommen die Aufzeichnungen schon sehr nahe an die Realität heran und lassen es damit zu, ein Bewusstsein über das eigene Aktivitätslevel und die damit verbundene Gesundheit zu entwickeln. Daher auch der etwas sperrige Beitragstitel “Gesundheitsbewusstseinssteigerungsgerät”.

Screenshot aus meinem Garmin Connect. Es zeigt die Summe aller aufgezeichneten Aktivitäten des letzten Jahres, darunter Gehen, Laufen, Radfahren, Work-outs und einige mehr.

Allein gelassen: Neben den Vorteilen gibt es jedoch auch Nachteile. Ein gravierendes Manko bei vielen Fitness Trackern ist die Tatsache, dass man mit den Daten oft allein gelassen wird und auf eigene Faust herausfinden muss, wie diese zu interpretieren sind. Sind 8000 Schritte pro Tag ausreichend? Wieso alterniert mein Schlaf zwischen leichtem, REM- und Tiefschlaf? Wie verbessere ich meinen VO2max-Wert? Natürlich kann man sich diese Fragen größtenteils durch das Internet selbst beantworten und dadurch mehr über Fitness lernen. Allerdings birgt diese Methode auch die Gefahr von Desinformation, was gerade im Gesundheitsbereich fatal sein kann.

Fazit & Ausblick

Fitnesstracker sind längst etablierte Hilfsmittel, die es ermöglichen Körperfunktionen zu überwachen und Aktivitäten aufzeichnen. Dabei bedienen sie sich einer Methode namens Gamification, also der Übertragung von spielerischen Elementen auf den Fitnessbereich – in meinen Augen ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Rückblickend habe ich mir folgende Fragen gestellt:

  • Habe ich etwas Neues über mich selbst gelernt? Definitiv.
  • Bin sportlich aktiver als sonst gewesen? Auf jeden Fall.
  • Habe ich diesen Umstand nur meinem Fitnesstracker zu verdanken? Vielleicht.

Da ich selbst eher analytisch veranlagt bin und eine große Begeisterung für das Messen allerlei Dinge hege, hat mir der Fitness Tracker einen unheimlichen Mehrwert geboten und tut das nach wie vor. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr an die Zeit erinnern, als ich Work-outs oder Laufeinheiten “einfach so” absolviert habe, ohne sie im Anschluss für die Ewigkeit festzuhalten. Auch wenn es genauso gut ohne Fitness-Tracker geht, so habe ich dennoch das Gefühl, mehr Kontrolle über meinen Sport zu haben, da jede körperliche Betätigung nur wenige Klicks entfernt zu sein scheint. Zudem erspart mir ein solcher Tracker sehr viel Zeit und Arbeit, wenn ich daran denke alle Parameter (Datum, Tageszeit, Dauer, Distanz, Höhenmeter, Geschwindigkeit, etc.) händisch ermitteln zu müssen. Um auf mein eingangs erwähntes Kaufmotiv zurückzukommen und somit den Bogen zu schließen, konnte ich feststellen, dass mein Herz im Alltag wesentlich ruhiger schlägt als in Anwesenheit eines Arztes oder um es in präzisem Fitness-Tracker-Jargon auszudrücken: Zwischen dem 10.01.2020 und dem 10.01.2021 betrug mein durchschnittlicher Ruhepuls 61 bpm.

Letzten Endes muss jeder für sich entscheiden, ob ein Fitness Tracker das richtige Werkzeug ist, um sportliche Aktivitäten aufzuzeichnen, ein Bewusstsein für die eigene Fitness zu entwickeln oder einfach nur um die Motivation hoch zu halten. Ausprobieren sollte man es meiner Meinung nach unbedingt. Und für all diejenigen, die sich um ihre eigenen Daten sorgen, hier noch ein zum Nachdenken anregendes Zitat aus dem bereits erwähnten Buch von Christoph Koch:

Durch [Self-Tracking] erobere ich mir die Herrschaft über meine Daten zumindest insofern zurück, als dass ich sie mir selbst zugänglich mache. […] Selbst wenn wir uns gegen Self-Tracking entscheiden – andere vermessen und überwachen uns schon längst.

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